Montag, 17. November 2008

Hals über Kopf nach Java

Plötzlich klingelte das Telefon. "Hallo Daniel, gehörst du zum Java A-Team? Euer Team verlässt das Schiff in zehn Minuten!"

Wie bitte? Heißt das, ich habe zehn Minuten Zeit, um meine Tasche für den zweiwöchigen Landeinsatz zu packen? Ja, ich hatte richtig gehört! Heute Morgen hatten wir vor Singapur geankert und gerade waren die Zollbeamten an Bord, um unsere Pässe zu kontrollieren. Aus logistischen Gründen musste die Entscheidung getroffen werden, unser sechsköpfiges Team einen Tag früher auszusenden. Die Kleidung und alle Utensilien stopften wir einfach nur in unsere Tasche. Die hälfte meiner Kleidung war gerade noch in der Wäscherei. Jemand half mir dabei, meine Kleidung in den Wäschebergen ausfindig zu machen.

Plötzlich fand ich mich auf einem Schnellboot wieder, gemeinsam mit den Zollbeamten ging es etwa eine halbe Stunde durch den riesigen Hafen von Singapur. Gerade befinde ich mich schon in der OM-Niederlassung, im 10. Stock eines Hochhauses. (Normalerweise hätte ich gerade an Bord gemütlich Abendbrot gegessen)

Per Fähre, Zug und Flugzeug geht es morgen nach Indonesien zur Insel Java. Hauptsächlich werden wir Kinder- und Jugendprogramme u.a. in Schulen veranstalten.

Für die Zeit meiner Abwesenheit habe ich auf der rechten Seite des Logbuchs eine Umfrage eingerichtet. Wer überzeugt ist, die richtige Antwort zu geben, der schreibe mir zusätzlich eine E-Mail. Ich überlege mir eine kleine (!) Belohnung! Am 4. Dezember sind wir wieder zurück. Bis bald...

Donnerstag, 13. November 2008

Ost Timor - Rückblick

Auf der Doulos gibt es eine gute Tradition des Rückblicks auf unsere Hafenbesuche. Während dem sogenannten "port report" fassen die Leiter der verschiedenen Departments die wichtigsten Geschehnisse zusammen und jeder von uns kann anschließend zum Mikrofon gehen und seine persönlichen Erfahrungen mit der Crew teilen:

Dieses Jahr war unser erster Besuch in East Timor. Normalerweise darf kein Schiff unserer Größe länger als drei Tage im kleinen Hafen der Hauptstadt Dili anlegen, weil es den Anlegeplatz für andere Schiffe blockiert. Deshalb haben wir schon in Australien dafür gebetet, dennoch wie geplant sieben Tage anlegen zu können. Tatsächlich bekamen wir kurz vor unserer Ankunft in Dili eine Sondergenehmigung von der Regierung.

Insgesammt hießen wir so also über 30.000 Besucher and Bord und im Bücherladen willkommen und sendeten insgesamt 58 Teams für die unterschiedlichsten Aufgaben aus. Viele Kisten voll Kleidung, Spielsachen, Büchern und über 50 Dell-Computer konnten wir an die Menschen und Organisationen in Dili übergeben (alles dank verschiedenen australischen Spendern). Unser Medizin-Team unternahm mehrere Fahrten, um praktisch und mit medizinischen Geräten sowie Medikamenten Gottes Liebe weiter zu geben. Es gab viele Programme für Schulkinder an Bord, zwei Sportteams und 18 Teams, die Gottesdienste in unterschiedlichen Gemeinden gestalteten.

Bei zwei GoDi-Teams war ich dabei - wie das abläuft, erzähl ich ein anderes Mal! Aber eins sage ich: Zu Anfang war ich ziemlich nervös und hinterher wollte ich am liebsten länger da bleiben! Der Abschied fiel jedoch nicht nur uns schwer.

Bleibt mir nur noch, euch wärmstens das Ost Timor-Video von Salomon, meinem Kabinenkameraden, zu empfehlen. Wer Salos Logbuch aufschlägt, weiß sofort, dass ihn eine absolut professionelle Filmproduktion erwartet! Die Originalaufnahmen sind in voller HD-Qualität.

Freitag, 7. November 2008

Ost Timor - UN zu Besuch

Langsam leerte sich der Speisesaal der Doulos und mein Blick fiel auf Andrew (Kenia), der mit zwei UN-Mitarbeiterinnen zusammen saß. Wie ich schnell erfuhr, stammt die eine Frau ebenfalls aus Kenia und die andere aus Pakistan. Vor zwei Jahren endete der Bürgerkrieg in Ost Timor. Überall begegnet man hier deswegen UN-Fahrzeugen und UN-Mitarbeitern; und die haben die Doulos für sich entdeckt. Das Schiff ist für alle Menschen hier in Dili eine echte Attraktion.

Andrew versah gerade Literatur mit einer persönlichen Widmung für unsere zwei Gäste, während ich darüber ausgefragt wurde, wie man auf der Doulos mitarbeiten kann. Zwischendurch sprach mich kurz einer unserer Mitarbeiter an und scherzte mit mir herum. Die Dinge, die ich den Frauen erzählte und die Fröhlichkeit unter uns Mitarbeitern schienen sie zu beeindrucken. Andrew fragte die UN-Mitarbeiterinnen, ob sie wirklich eine Bibel haben wollten, und signierte auch solche nach einer deutlichen Bestätigung der Frauen. Schließlich fragte Andrew mich noch, ob ich für uns alle beten könne. So betete ich zum Abschluss unserer guten Zeit im Speisesaal u.a. für Beschützung der UN-Truppe und dafür, dass Gott durch die Bibel wirklich zu den Frauen redet. Als wir unsere Augen öffneten sah ich, wie die Frau aus Kenia sich bekreuzigte.

Wir sind uns sicher, dass beide Frauen bei ihrem Besuch heute ein sehr intensives Erlebnis mit unserem Herrn gehabt haben und wissen, dass Gott noch mehr in ihrem Leben tun möchte. Ich glaube an einen Gott, der unser Leben nicht einschränkt, sondern der unser eingeschränktes Leben zur Entfaltung bringen möchte!