Mittwoch, 29. Oktober 2008

Auf dem Weg nach Ost Timor...

Die Doulos befindet sich wieder auf hoher See. Australien, d.h. Geelong, Albany und Fremantle liegen hinter mir. Als ich gestern Abend in meine Koje stieg, erschrak ich plötzlich. Aus dem Dunkeln kam etwas auf mich zu und rammte meine Schulter. Der Schreibtischstuhl hatte sich durch die starke Bewegung des Schiffes selbstständig gemacht.

Eine noch größere Überraschung erlebte ich, als ich heute Morgen in den Speisesaal kam. (Während dieser Überfahrt arbeite ich in der Kombüse, da der Bücherladen abgebaut ist.) Im Speisesaal war der Boden übersät mit allen möglichen Dingen, die eigentlich auf den Tischen und der Anrichte ihren Platz haben. Salzstreuer und drei Sorten Cornflakes, schön verteilt auf dem Boden. Aber es kam noch schlimmer bei Eintritt in die Kombüse: Kochgeschirr, Gefäße, Werkzeuge und viele andere Gegenstände - also quasi unsere halbe Küchenausrüstung - waren verrutscht und heruntergefallen. Die Krönung für mich waren allerdings die drei großen, vollgefüllten Container mit Salz, Reis und Rohfisch: Alles auf dem Boden.

Willkommen auf hoher See! So kanns kommen... Heute erlebte ich die Naturgewalten einmal hautnah. Ein Schiff kann zum Spielball für die Wassermassen werden.
Noch während unsere 20 Mann starke Frühschicht mit dem Aufräumen und Abwaschen beschäftigt war, verrutschte das Blechgeschirr erneut und es schepperte bis in den Speisesaal. Leider kann man keine Fotos machen, während man mit dem linken Arm versucht, sich irgendwo festzuhalten und den rechten zum Sichern von Gegenständen benötigt. Auf dem oberen Bild wurde schon aufgeräumt...

Chaos gab es auch im Schiffsrumpf, wo die Bücher lagern! Wir bieten auch CDs an, die besonders gerne verrutschen.

Freitag, 17. Oktober 2008

Freundschaft

In meinem ersten Hafen, Geelong, kam ich während meiner Arbeit am gangway-out (Landungsbrücke, Begrüßung und Verabschiedung der Besucher) mit einem älteren Mann namens Klaus ins Gespräch. Nach kurzer Zeit merkte ich an seinem Englisch-Akzent, dass er ein Deutscher sein könnte. Tatsächlich - vor vielen Jahren ist er von Deutschland ausgewandert und lebt nun glücklich in der Nähe des Hafens.

In unserem Gespräch haben wir eine ganze Menge Gemeinsamkeiten herausgefunden. Ähnlich wie ich ist Klaus in seiner Jugend Christ geworden. So erzählte er mir einige Storys aus seinem Leben und war sichtlich erfreut, dass ich Ähnliches berichten konnte. "Ich wollte heute eigentlich gar nicht zum Schiff kommen, aber jetzt weiß ich, dass Gott unsere Wege absichtlich hat kreuzen lassen", meinte Klaus zum Ende des Gesprächs. Unsere Zeit miteinander ist für ihn eine ungeheuerliche Ermutigung gewesen.

Ich lud ihn auf ein gemeinsames Mittagessen im dining room für den nächsten Tag ein. So verbrachten wir erneut eine lange Zeit im Gespräch, wobei ein sehr großes Vertrauensverhältnis entstand. Es war faszinierend für mich zu sehen, dass sich zwischen Jung und Alt so eine starke Verbindung aufbauen kann. Wir erfuhren beide eine unheimliche Stärkung durch unseren Kontakt. Wie selbstverständlich beteten wir schließlich füreinander. Ein Gebetsanliegen, das ihm besonders auf dem Herzen lag, begleitet mich bis heute auf meiner Reise. Obwohl ich gerade schon im übernächsten Hafen (Fremantle) bin, denke ich weiterhin daran. Per Logbuch und E-mail bleiben wir weiterhin in Kontakt (Hi Klaus:-). Kürzlich erreichte mich auf diesem Weg das folgende Erinnerungsfoto:

Samstag, 11. Oktober 2008

Überfahrt (Geelong-Albany)

Der Abschied vom Hafen Geelong jagte mir einen Schauer über den Rücken. Es war sonnig. Zwei Schlepper begannen, die Doulos mit ihren starken Antrieben in Richtung Meer zu ziehen. Am Port standen viele Leute, zu denen wir in den vergangenen zwei Wochen Kontakt aufgebaut hatten, und winkten uns zum Abschied zu. Es war, als würden wir uns von unseren Familien verabschieden. Als die Doulos mit ihrem eigenen Antrieb weiter fuhr, blieben die Schlepper an unserer Seite und begleiteten uns noch ca. 15 Minuten lang. Mit ihrer Wasserkanone schossen sie dabei einen riesigen Wasserstrahl in den Himmel, wodurch ein Regenbogen entstand. Ein Mitarbeiter mit Seeerfahrung erzählte mir, dass das ein maritimes Zeichen des Respekts sei. Ich konnte es fast nicht glauben, es war ein wunderbarer Anblick.

Australien (Geelong Albany)

Am folgenden Tag war das Meer nach Angaben des Kapitäns relativ ruhig. Abends ging es jedoch mächtig hoch und runter. Im Gegensatz zu anderen modernen Schiffen haben wir keine aktiven Stabilisatoren an Bord. Mit ein paar anderen Leuten stand ich während der sechstägigen Überfahrt nach Albany vorne am Bug und bewunderte einfach nur die Situation, dass dies zwei Jahre mein zu Hause ist. Ein schöner Anblick; das weiße Schiff auf dem blauen Meer (hellblauer Himmel) und der Horizont wandert meterweit von oben nach unten. Neben uns flog eine Schaar von ca. 800 Seevögeln spielend ganz knapp über der Wasseroberfläche und berührte sie dennoch nicht.

Im Abendprogramm wurden die Erfahrungen von Geelong aus den verschiedenen Departments geteilt. Anschließend war "open mic", d.h. jeder konnte seine eigenen Erlebnisse mitteilen. An diesem Programm nahm meiner Einschätzung nach ungefähr 55% der Besatzung teil. Der Rest war entweder in seiner Abteilung (Etwa dem Maschinenraum) oder war seekrank. Oh ja, eine ganze Menge von Leuten wird seekrank! Viele bleiben im Bett und nehmen entsprechende Tabletten. Einige von unserer Preshipgruppe bekamen die Erlaubnis im Veranstaltungssaal zu übernachten: Dort sind die Schiffsbewegungen nicht so stark. Meine Kabine ist sehr geräumig, liegt aber ganz unten und vorne im Bug des Schiffes. Man hört das Wasser an die Schiffswand schlagen und empfindet die ständige Gewichtsveränderung des eigenen Körpers besonders stark, weil dort die Hebelwirkung so groß ist. Ein interessantes Detail: Von einem Schrank geht die Tür dauernd auf und zu. ;-) Wie im Film!

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Schaumparty

Das war ein verrückter Start! Die bestehende Mannschaft der Bücherabteilung hatte alle Neuen vom Geelong Preshiptraining zu einer Willkommensparty eingeladen. Mein erster Arbeitsbereich auf dem Schiff ist die Bücherabteilung, was viele verschiedene Tätigkeiten und den besten Kontakt zu den Besuchern während der normalen Arbeitszeit bedeutet. Am zweiten Abend nach unserer Ankunft auf der Doulos sollten wir uns als neu aufgestelltes Team vor dem Bücherverkauf zusammenfinden. Es gab australische Cola/Fanta, viele Chips und einige andere Süßigkeiten.

Man hatte ein Spiel für uns organisiert: Zwei Körbe voll Bücher sollten in die jeweils richtigen Regale einsortiert werden. Bei 8000 Buchtiteln gar nicht so einfach, schließlich ging gerade erst unser zweiter Tag zuende! Meine Mannschaft verlor knapp. Ooooh, schade. Anschließend veranstalteten die Schichtleiter der Bücherabteilung Taylor (USA) und Walker (USA) eine Versteigerung, durch die wir den zwei bestehenden Arbeitsschichten zugeteilt wurden. Ich weiß bis heute nicht, ob sie die Reihenfolge vorher schon festgelegt hatten; Aber offensichtlich hat die lustige Zeremonie ihnen ziemlich viel Spaß bereitet. Wie dem auch sei, meine Schicht arbeitet von 09 bis 17:00 Uhr. Ich merkte, dass das Leben auf dem Schiff nun losging und spürte, wie sich Motivation und Spannung aufbaute.

Walker kündigte den nächsten Programmpunkt an. Wir Neuen sollten uns nun zusammenstellen, um als Team gemeinsam mit den anderen für die bevorstehende Zeit in der Bücherabteilung zu beten. Die bestehende Mannschaft bildete einen Kreis um uns. Die ersten drei Leute lobten Gott für den Weg, der hinter uns lag, dankten für die vielen Möglichkeiten auf der Doulos und wie er uns als Team zusammenstellte und baten um seinen Segen für alle Herausforderungen und Gespräche mit Menschen. Ich war gerade mit Dankbarkeit erfüllt und bereit als Nächster zu beten, da wurde die Idylle von einem PLÖTZLICHEN KRACH unterbrochen. "Aaaaaaah! WELCOME TO THE BOOKEXHIBITION" Als ich meine Augen öffnete spritzte weißer Schaum aus allen Richtungen. Die bestehende Mannschaft war vom Gebet zum Angriff übergegangen, jeder mit einer Rasierschaumdose bewaffnet, und bedeckte jeden Einzelnen von oben bis unten mit Sprühschaum. Natürlich haben wir den Schaum nicht auf uns sitzen lassen: Schon griff einer nach einer leeren Chipstüte und schickte zwei Hände voll Rasierschaum mit Chipsresten an seinen Peiniger zurück. Eine andere entdeckte die respektverschaffende Methode, Coladosen über Köpfen auszuleeren. So entstand ein fünfminütiges Ringen, bei dem Gott sei Dank jeder seinen Spaß hatte und keiner verletzt wurde.

Einen starken Eindruck habe ich seit diesem Abend: Wir werden als Team viel Spaß miteinander haben, egal ob wir unter Tage im Bücherlager, auf dem Bücherdeck, an der Kasse, am Gangway oder als Securitypersonal arbeiten. Dies alles sind Aufgaben, die auf uns zukommen.