Montag, 8. März 2010

Goodbye Doulos

Am 2. März kam die Stunde der Wahrheit: Die Systeme an Bord waren heruntergefahren, unser Inventar gepackt und verschickt, der normale Schiffsbetrieb wurde eingestellt und damit mein Einsatz an Bord der Doulos beendet.

An einem sonnigen Nachmittag stand ich auf dem Kai in Singapur und konnte die letzten übrig gebliebenen Freunde noch einmal umarmen. Hinter mir das Schiff, mit dem ich viele Erinnerungen an die Zusammenarbeit und Begegnungen mit Menschen verbinde, nun aus der Besucherperspektive. Dieses Metall-Wunder, auf dem ich gesessen, gelesen, gegessen, gearbeitet, gefeiert und gebetet habe, werde ich wahrscheinlich nie wieder berühren können; und auch die Menschen darauf gehen neue Wege. Der Moment des Abschieds war einer wie wenige in meinem Leben.

Sonntag, 14. Februar 2010

Endspurt – Letzte Tage der Doulos

Dies sind harte Tage. Die Arbeiten an Bord laufen auf Hochtouren: Wertvolles muss identifiziert und gepackt werden, Containerlisten werden erstellt, wir mailen und telefonieren mit dem Management auf Empfängerseite und minütlich hebt ein großer Kran palettenweise Materialien von Bord. Die Satellitenanlage wurde schon abgebaut und unser USB-UMTS-Stick (unsere Aushilfs-Internetverbindung) bricht unter der Datenlast ständig zusammen. An einigenTagen arbeite ich bis in den späten Abend hinein; von meinem Arbeitsstuhl bekomme ich starke Rückenschmerzen. Selten werde ich krank, aber dieses Mal haut es mich um: Nach einem Mittagsessen bekomme ich den stärksten Durchfall, den ich je erlebt habe, drei Tage lang. Gut, dass auf dem Schiff die Toilette nicht weit entfernt ist, so kann ich mich weiter um das Internetproblem kümmern und bleibe für die Leute erreichbar.

Durch die Krankheit wird mir von Gott her aber gleichzeitig klar: Die Lösung des Problems (mit den vielen Dingen, die zu erledigen sind) liegt nicht darin, aus eigener Kraft dauerhaft Überstunden zu machen, sondern stattdessen die gegebene Problematik dem Herrn anzuvertrauen. Als direkte Bestätigung meiner Erkenntnis erfahre ich plötzlich davon, dass trotz des Chaos jemand mit Büro-Erfahrung verfügbar geworden ist, um einige meiner Aufgaben zu übernehmen. Innerhalb von einem Tag kann Shirley Booth (Neuseeland) die Abteilung wechseln; So schenkt unser Vater mal wieder die beste Lösung! Warum nicht immer mit Ihm rechnen? Er hat unsere Arbeit schließlich bis in diese Tage geführt…

m20123[1]Wie es in der Pressemeldung auf der Doulos-Homepage zu lesen ist, hat George Verwer, der Visionär und Gründer der Organisationen OM und GBA Ships, in diesen turbulenten Tagen unsere Crew besucht und von der Doulos Abschied genommen. Obwohl er neben den vielen Projekten und Konferenzterminen immer wieder mal seine Schiffe besuchen kommt, hatten die meisten aus der Crew ihn bisher noch nicht kennen gelernt. Nun kam er gerade noch rechtzeitig. Dieses Mal hatte ich die Chance, persönlich mit ihm zu sprechen und seine Reisetasche aus dem Trockendock heraus zu tragen. Nach seinem Besuch flog er nach Indien weiter, um dort nun auf unterschiedlichen Konferenzen zu sprechen.

Mittwoch, 27. Januar 2010

WINTERSCHLUSSVERKAUF Alles muss raus!

Die Doulos muss bis zum 31. März an ihrem neuen Bestimmungsort liegen, deshalb hat die Leitung von GBA Ships entschieden, sie auf dem internationalen Markt zum Verkauf anzubieten. Aus Indien, Südafrika, Korea, Singapur und anderen Ländern kommen gerade Interessenten an Bord zur Inspektion. Der Metallpreis der 95-jährigen Dame beträgt 1,5 Millionen Euro. Ist es nicht traurig, wie ein einzigartiges, historisches Schiff auf seinen puren Metallwert reduziert wird? Allerdings wird hier die Aneinanderreihung von Wundern deutlich: Wir haben die dreifache Lebensdauer eines zertifizierten Passagierschiffes erreicht!

In diesen Tagen herrscht viel Druck bei uns inder IT-Abteilung. Meine Teamkameraden Bridget (Australien), Yuriy (Ukraine), Jay (Korea) und Pim (Niederlande) führen ihren Einsatz an anderen Stellen fort und ich bleibe mit ca. 150 Leuten übrig, um die Systemadministration zu Ende zu bringen.

Was passiert mit unserem wertvollen Equipment an Bord, das noch ein großer Segen für Bedürftige sein würde? Was passiert mit Wasch-, Bohr- und anderen Maschinen und wohin geht unser Werkzeugmaterial, die Ersatzteile, die Schulausrüstung, die Autos und die vielen Computer? Man möchte am liebsten das halbe Schiff zu unseren vergangenen Häfen schicken, etwa nach Ost-Timor, zu den Phillipinen oder nach Kambodscha. Das Problem dabei: Der Transport per Post oder Container von Singapur aus ist so teuer, dass man viele Dinge zum selben Preis in den Ländern vor Ort neu kaufen könnte! Unser Corporate Services Manager Matthias Bosch (Mein Boss aus Deutschland) arbeitet hart daran, mögliche Wege herauszufinden.

Fakt ist, dass wir von der IT-Abteilung nur unsere Notebooks an unser Schwesterschiff Logos Hope weiter geben und den Rest des Inventars spenden werden. Die meisten Bürocomputer werden mit Displays und Zubehör an die humanitäre Organisation Mercyteams International gehen, welche in Singapur ihre Hauptzentrale hat und die Computer und anderes Equipment von dort aus weiter verteilen kann.

Alles muss raus! Heute wurde durch einen Anruf bestätigt, dass morgen die erste Ladung von Bord geht: Irgendwie musste ich jetzt schnell und wiederherstellungs-sicher 25 Computer gereinigt bekommen. Wie lässt sich auf so vielen Computern in kurzer Zeit die Festplatte löschen?