Samstag, 11. Oktober 2008

Überfahrt (Geelong-Albany)

Der Abschied vom Hafen Geelong jagte mir einen Schauer über den Rücken. Es war sonnig. Zwei Schlepper begannen, die Doulos mit ihren starken Antrieben in Richtung Meer zu ziehen. Am Port standen viele Leute, zu denen wir in den vergangenen zwei Wochen Kontakt aufgebaut hatten, und winkten uns zum Abschied zu. Es war, als würden wir uns von unseren Familien verabschieden. Als die Doulos mit ihrem eigenen Antrieb weiter fuhr, blieben die Schlepper an unserer Seite und begleiteten uns noch ca. 15 Minuten lang. Mit ihrer Wasserkanone schossen sie dabei einen riesigen Wasserstrahl in den Himmel, wodurch ein Regenbogen entstand. Ein Mitarbeiter mit Seeerfahrung erzählte mir, dass das ein maritimes Zeichen des Respekts sei. Ich konnte es fast nicht glauben, es war ein wunderbarer Anblick.

Australien (Geelong Albany)

Am folgenden Tag war das Meer nach Angaben des Kapitäns relativ ruhig. Abends ging es jedoch mächtig hoch und runter. Im Gegensatz zu anderen modernen Schiffen haben wir keine aktiven Stabilisatoren an Bord. Mit ein paar anderen Leuten stand ich während der sechstägigen Überfahrt nach Albany vorne am Bug und bewunderte einfach nur die Situation, dass dies zwei Jahre mein zu Hause ist. Ein schöner Anblick; das weiße Schiff auf dem blauen Meer (hellblauer Himmel) und der Horizont wandert meterweit von oben nach unten. Neben uns flog eine Schaar von ca. 800 Seevögeln spielend ganz knapp über der Wasseroberfläche und berührte sie dennoch nicht.

Im Abendprogramm wurden die Erfahrungen von Geelong aus den verschiedenen Departments geteilt. Anschließend war "open mic", d.h. jeder konnte seine eigenen Erlebnisse mitteilen. An diesem Programm nahm meiner Einschätzung nach ungefähr 55% der Besatzung teil. Der Rest war entweder in seiner Abteilung (Etwa dem Maschinenraum) oder war seekrank. Oh ja, eine ganze Menge von Leuten wird seekrank! Viele bleiben im Bett und nehmen entsprechende Tabletten. Einige von unserer Preshipgruppe bekamen die Erlaubnis im Veranstaltungssaal zu übernachten: Dort sind die Schiffsbewegungen nicht so stark. Meine Kabine ist sehr geräumig, liegt aber ganz unten und vorne im Bug des Schiffes. Man hört das Wasser an die Schiffswand schlagen und empfindet die ständige Gewichtsveränderung des eigenen Körpers besonders stark, weil dort die Hebelwirkung so groß ist. Ein interessantes Detail: Von einem Schrank geht die Tür dauernd auf und zu. ;-) Wie im Film!

Keine Kommentare: